mgk Office

Das Officeprojekt zeigt, wie ein vermeintlich überkommenes Bürogebäude der 1980er-Jahre durch ein präzises, identitätsstiftendes Farb- und Materialkonzept zu einem zeitgemäßen Arbeitsort für Landschaftsarchitekt:innen transformiert werden kann. Ein renommiertes Planungsbüro hat eine stattliche Altbauvilla verlassen, um bewusst in einen 1980er-Jahre-Schlitten umzuziehen – eine Haltung, die als vorbildliches Statement für einen nachhaltigen Umgang mit Bestandsimmobilien gelesen werden kann.

Ausgangspunkt für das Gestaltungskonzept ist ein Bestandsbau mit roten Klinkerfassaden und blauen Stahlelementen, dessen archetypische 80er-Jahre-Architektur zunächst wenig attraktiv wirkt. Die innenarchitektonische Konzeption nimmt diese vorhandenen Gestaltungsmerkmale bewusst ernst und versteht sie als Charakterträger, nicht als Makel. Ziel war es, die räumliche und atmosphärische Qualität so zu schärfen, dass der neue Standort – eingebettet in eine parkartige Anlage – die Arbeitsweise und Haltung eines Landschaftsarchitekturbüros ideal widerspiegelt.

Auf rund 650 Quadratmetern wurden bis zur Fertigstellung im September 2025 sämtliche Arbeits-, Besprechungs- und Gemeinschaftsbereiche neu geordnet und gestaltet, ohne in die architektonische Struktur des Bestands einzugreifen. Partielle Öffnungen der Bürotrennw.nde schaffen jedoch Zonen für projektbezogene Zusammenarbeit. Der Bestand wurde möglichst effizient und kostensparend transformiert, auch um vorhandene und funktionierende Ressourcen zu schonen. Heute arbeiten hier ca. 55 Mitarbeiter:innen in einem räumlich klar gegliederten, zugleich atmosphärisch dichten Umfeld, das die spezifischen Anforderungen der Landschaftsarchitektur präzise unterstützt.

Das neue Farbkonzept entwickelt sich aus dem Spannungsfeld der Bestandsfarben Terrakottarot und Stahlblau, die innen konsequent weitergeführt und neu interpretiert werden. Unterschiedliche Grüntöne – eingesetzt auf Böden, Wandflächen, Türen und Details wie Lichtschalter – ergänzen diese bestehende Palette und verankern die Corporate Identity der Büronutzer mit ihrem starken Bezug zur Landschaft. Die umlaufende Fensterfront mit ihren tiefblauen Rahmen inszeniert das Wechselspiel von Tageslicht und Vegetation wie eine Serie gerahmter Landschaftsbilder. Die Grüntöne reagieren auf das üppige Außenraumgrün und holen den Blick ins Innere, wodurch Innen- und Außenraum atmosphärisch verschmelzen. In den Fluren sorgen gedeckte Grün- und Graunuancen für Ruhe, während transluzente Glasflächen und präzise gesetzte Weißflächen die Räume optisch weiten und das Licht gleichmäßig verteilen.

Die Materialwahl folgt der Idee einer ruhigen, robusten Bühne für die vielfältigen Planungsprozesse der Landschaftsarchitekt:innen. Ein homogener Linoleumboden in zurückhaltendem Graugrün verbindet die Räume, während fein nuancierte Sockelleisten, Profilierungen an Türen und Einbauten das Farbkonzept subtil akzentuieren. Offene Regalanlagen, gro.zügige Arbeitstische, eine klare, lineare Möblierung unterstützen konzentriertes Arbeiten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Übergängen und Zwischenräumen: Flure, Eingangsbereiche und Teeküchen werden als eigenständige Atmosphären ausgebildet und stärken das räumliche Narrativ. Die kompakte Teeküche in sattem Blau, kombiniert mit kleinteiligen, glänzenden Mosaikfliesen, übersetzt die Farbwelt des Gebäudes in eine fast skulpturale, intim wirkende Nische und schafft einen prägnanten, gleichzeitig funktionalen Ort der täglichen Begegnung. Grafische Elemente – etwa ein historisches Plakat der Olympischen Spiele 1972 in kräftigem Grün – verankern das Planungsbüro in seiner Münchner Geschichte und setzen zugleich einen augenzwinkernden Farbakzent.

Die Lage des Gebäudes mit Dachterrasse und umlaufender Fensterfront in einer parkähnlichen Umgebung bildet die ideale räumliche Voraussetzung für ein Landschaftsarchitekturbüro, das mit und aus dem Blick auf Grün arbeitet. Das Innenarchitekturkonzept versteht diese Qualität als Ausgangspunkt und übersetzt sie in ein fein abgestimmtes System aus Farben, Materialien und räumlichen Sequenzen, das den Alltag der Nutzer:innen strukturiert und inspiriert. Damit wird ein typischer Vertreter der 1980er-Jahre-Büroarchitektur zu einer zeitgemäßen, charaktervollen Arbeitslandschaft transformiert, die die spezifische Profession der Landschaftsarchitekt:innen räumlich erfahrbar macht und gleichzeitig ein starkes Plädoyer für die qualitätvolle Weiterentwicklung des baulichen Bestands formuliert.

Fotocredites: Andreas Hoernisch